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Mittwoch, 20.05.2026
Das Wiener Wirtshaus –
Ein Schmelztiegel gelebter Wiener Kultur
Wortspende
"Ich bin in Wien und Niederösterreich aufgewachsen.
Die Wurzeln meiner Vorfahren ziehen sich von der Steiermark und Kärnten, wo meine Mama herkommt, über das Weinviertel bis nach Wien, wo die Familie meines Papas zusammengewürfelt wurde und zumindest teilweise über die ehemalige österreichische k.u.k. Monarchie nach Wien kam – bis hin ins Voralpenland rund um Mariazell.
In diesem Konglomerat bin ich aufgewachsen: mal in urigen Wiener Wirtshäusern im 9. Bezirk, das ein oder andere Mal in nobleren Gaststätten à la Eckel, oft aber auch in einfacheren Häusern in ländlicheren Gegenden.
Durch meinen Papa, einen Jäger, bin ich in den unterschiedlichsten Gegenden Wiens, Niederösterreichs und des Burgenlands in viele Lokale gekommen.
Die unglaubliche Vielfalt, die ich in diesen Häusern kennenlernen durfte, die vielfältigen Speisen und die dort arbeitenden Protagonisten, Einzelkämpfer und Wirtsleute, haben mein gastronomisches Weltbild mitgeprägt.
Dieser Schmelztiegel und die daraus entstandene Wiener Kultur sind absolut schützenswert.
Mir ist heute bewusst, dass Tradition nichts Negatives ist. Wenn ich in alten Büchern lese, wird klar, dass es seit ewigen Zeiten diese Häuser gibt, in denen Menschen zusammenkommen.
Es wurde diskutiert, man kam ins Reden, saß am Stammtisch, und die Küche war unprätentiös. Wein und Bier waren Teil dieser Kultur.
Die Einsamen hatten Ansprache, Familien feierten Geburtstage oder andere Feste, oder man ging einfach mit einem Freund auf ein Glaserl.
Das ist gelebte Wiener Kultur.“
Roman Thum
THUM SCHINKEN
TRADITIONELLE SCHINKEN MANUFAKTUR
Mittwoch, 15.04.2026
Das Wiener Wirtshaus –
Bühne des Alltags zwischen Gastlichkeit und Freundschaft
Wortspende
"Es ist Bühne des Alltags, Treffpunkt für Generationen und ein Stück gelebte Kultur. Hier begegnet sich ein Querschnitt der Gesellschaft – vom Handwerker bis zur Akademikerin, vom Stammgast bis zum Zufallsbesucher – und kommt ins Gespräch, diskutiert, philosophiert, manchmal laut, manchmal leise. Das klassische österreichische Wirtshaus wirkt dabei wie ein Ort, der sich der Zeit ein Stück weit entzogen hat – gewachsen statt gestaltet, geprägt von Patina und der Persönlichkeit des Wirten oder der Wirtin. Urig, holzvertäfelt, ein wenig skurril und nie geschniegelt. Ein Raum, in dem einfache Möbel und leicht schräge Details selbstverständlich nebeneinanderstehen. Nichts ist perfekt, aber alles hat seinen Platz. Hier zählt Beständigkeit mehr als Inszenierung. Kein Schnickschnack, kein Theater, sondern ehrliche Gastlichkeit und der Charme des Unperfekten. Und Stammgäste sind kein Zufall, sondern das sichtbare Zeichen dafür, dass Vertrauen gewachsen ist. Man lernt sich kennen, man grüßt sich und begegnet einander abseits der üblichen Alltagskontakte, knüpft neue Bekanntschaften – und nicht selten entstehen daraus echte Freundschaften. Das Wirtshaus ist ganz einfach ein Ort, der nicht beeindrucken will, sondern einfach da ist – und genau deshalb bleibt man oft ein wenig länger, als ursprünglich geplant.“
Josef Donhauser
DoN group
Dienstag, 14.04.2026
Das Wiener Wirtshaus –
gelebte Alltagskultur zwischen Erinnerung und Gegenwart
Wortspende
"Das Wiener Wirtshaus ist weit mehr als ein Ort der Verpflegung – es ist ein sozialer Resonanzraum der Stadt. Hier verdichten sich Alltagskultur, Erinnerung und Gegenwart zu einem lebendigen Ganzen. Für mich ist das Wirtshaus ein Ort, an dem sich Wien selbst erzählt: in Gesprächen, Ritualen und kulinarischen Traditionen, die zugleich bewahrt und immer wieder neu interpretiert werden.“
Dr. Matti Bunzl
Direktor des Wien Museums
Mittwoch, 08.04.2026
Die Wiener Wirtshauskultur –
Tradition im Wandel der Zeit
Wortspende
"Die Wiener Wirtshauskultur war schon immer und ist ein Bestandteil dieser Stadt. Leider haben im Laufe der letzten Jahre sehr viele dieser „Institutionen“ zugesperrt. Früher ist man am Sonntag ins Wirtshaus gegangen und die Herren besuchten unter der Woche gerne ihre diversen Stammtische. Das hat sich verändert. Die Menschen gehen, besonders seit Corona, nicht mehr so viel aus, dazu tragen sicher auch die erhöhtern Preise bei. Und die Lebensgewohnheiten der Menschen haben sich auch verändert. Daher ist es wichtig, diese Kultur zu beleben und zu bewahren.“
Marika Lichter
Österreichische Sängerin und Schauspielerin
Mittwoch, 08.04.2026
Die Wiener Küche –
kulinarische Identität einer Stadt
Wortspende
"Wien hat mit der Wiener Küche eine besondere kulinarische Identität: Die Wiener Küche ist die einzige Küche der Welt, die nach einer Stadt benannt ist. Sie ist authentisch und ein Alleinstellungsmerkmal, sie verbindet Einzigartigkeit und Tradition, wird aber auch kontinuierlich modernisiert und weiterentwickelt. Als einzigartige Ethnoküche ist sie geformt von den Einflüssen Böhmens, Ungarns, des Balkans und Italiens. Die Wiener Küche ist vor allem im Beisl, dem typischen Wiener Wirtshaus finden. Das Beisl verspricht ein authentisches und gleichzeitig leistbares Erlebnis und zählt gemeinsam mit dem Kaffeehaus und dem Heurigen zu jenen Orten, wo sich das Wiener Lebensgefühl von seiner schönsten Seite zeigt.“
Norbert Kettner
Geschäftsführer WienTourismus
Dienstag, 07.04.2026
Vom Bockkeller bis zum Silbernen Kannderl: Historische Einblicke in Wiener Wirtshauskultur und Musik
Wortspende
"An der Fassade des Bockkellers* hing 2007 zum 100jährigen Jubiläum des Hauses eine ganze Zeitlang ein Transparent mit der alten Speisekarte aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, riesig groß aufgezogen und zwar genau da, wo sie bis zur Restaurierung des Hauses aufgemalt war. Zum Schweinsbraten vom Schlögl, gebackenes Hirn oder gerösteten Nierndeln wurde ein Krügel Lager oder ¼ Liter Karlowitzer gereicht. Manche, die des Weges kamen, wollten gleich bei uns einkehren ... Heute ist der Bockkeller ein Ort der Musik, unter dem im ersten Stock gelegenen Konzertsaal liegen wahre Schätze an Noten und Büchern zur Wiener Volksmusik. Eine kleine Schank verköstigt Konzertbesucher mit Wein und Schmalzbroten, immerhin eine kleine Reminiszenz an vergangene Zeiten.
In den Archivalien des Vorbesitzers Karl Gammer haben wir von 1937 Eingaben an den „Löblichen Wiener Magistrat“ gefunden, man möge doch das Musizieren zu bestimmten Zeiten wieder genehmigen, „da dieses Verbot [ihn] in seiner Existenz auf das schwerste trifft, wenn es [ihn] nicht ganz ruiniert.“ Ein Jahr zuvor hatte Gammer noch die Erlaubnis, den ganzen Tag bis in die Nacht und im Garten bis 22.00 Uhr seine Gäste mit den neuesten Schallplatten und Radiokonzerten zu bespielen.
Ich schaue immer gerne mit einem historischen Blick auf Wirtshäuser, gehe gerne essen und freue mich auf eine entschleunigte Zeit dabei. Die Musik könnte dabei eine Rolle spielen, allerdings halte ich nicht viel vom Lautsprechergedudel im Hintergrund. Also der Bockkeller wäre mir wahrscheinlich damals zu lärmig gewesen ...
Ausgesprochen schade finde ich, dass live gespielte Musik in den Wienern Heurigen und Gasthäusern immer weniger zu finden ist. Angeblich mögen das viele Gäste nicht. Kann ich auch irgendwie verstehen, wenn zum Beispiel ein Pianist im Café Zartl auf die Tasten haut, während ich versuche beim Kaffee zur Ruhe zu kommen, ist das eher schwierig. Da plädiere ich eher für das Konzept des "Gemüt(h)lichen“, das noch im beginnenden 20. Jh. ein Raum jenseits der großen Speisen- und Trinkgelage bezeichnete, in dem mit wienerischer Musik aufgespielt wurde. Das war übrigens auch bei großen Bällen üblich, die Brüder Schrammel sind in solch einem „Gemüt(h)lichen“ immer wieder aufgetreten. Allerdings bespielte das legendäre Schrammelquartett auch Die güldene Waldschnepfe in der Dornbacherstraße 88 und hunderte Gäste waren dabei angeblich ganz still – heute eher unvorstellbar.
In vielen Wienerliedern werden die kleinen Beiserl selig besungen und die großen empört abgelehnt wie etwa im Silbernen Kannderl: „Heute is’s Silberne Kannderl a großes Restaurant / mit Spiegeln und aufputzte Tafeln. / Und drinnen, da sitzen die noblichen Leut‘ / und essen mit silbernen Gabeln. / Die Leut‘, die san g’spreizt, / und es wird am net klar, / daß das amal so a liabs Wirtshäusl war ...“
(F.P. Fiebrich, ca. 1920).
Freilich ist die im Wienerlied beschriebene Welt immer eine imaginierte, bessere. Das entspricht eher selten der Realität. Und dennoch folge ich gerne der Vision des Silbernen Kannderl: Systemgastronomie ist nicht unbedingt meins. Aber es gibt sie ja noch, die kleineren Wirtshäuser, freuen wir uns darüber!.“
*Das Haus „Bockkeller“ ist 1907 errichtet worden und bis ca. 1960 von der Familie Gammer als
Gasthaus betrieben worden. 1985 kaufte der Blumengroßhändler Van der Velden das Haus, 1992 die Stadt Wien, seitdem ist es an das Wiener Volksliedwerk https://www.wienervolksliedwerk.at/
vermietet.
Susanne Schedtler
Wiener Volksliedwerk
Dienstag, 07.04.2026
Das Geheimnis des Beisls
Wortspende
"Die Wiener Wirtshauskultur, so wie ich sie verstehe, punktet mit kleinen Strukturen und echter Patina. In den Küchen wird traditionell gekocht. Die Speisekarten sorgen für die Qual der Wahl. Da locken nach der Suppe mit Frittaten, Fleischstrudel, Leberknödel oder Grießnockerl nicht nur das berühmte Wiener Schnitzel, sondern eben auch Tafelspitz, Salonbeuschl, Kalbshirn, Fiakergulasch mit Gurkerl, Würsterl, Spiegelei und Knödel oder ein zartes Beinfleisch. Als Dessert gibt es dann vielleicht noch handgewuzelte Mohnnudeln, Buchteln, einen Apfelstrudel oder böhmische Liwanzen. Das größte Geheimnis eines Beisl-Besuchs besteht aber meiner Meinung nach meistens gar nicht darin, was man gegessen hat. Es ist vielmehr die Erinnerung an die eigene Kindheit, die auf einmal wieder präsent ist, wenn man zu den Wirtsleuten glücklich sagen kann: „Das war genauso, wie es meine Mutter immer gemacht hat ...“
Georg Biron
Österreichischer Schriftsteller und Reporter
Dienstag, 07.04.2026
Die Seele des Wirtshauses
Wortspende
"Ein Wiener Wirtshaus ist für mich nichts Konstruiertes. Kein Konzept, keine Bühne – sondern einfach echt. Ein Ort, an dem man reinkommt, ohne sich erklären zu müssen, wo der Wirt noch Haltung hat und der Schmäh von selbst entsteht. Da geht’s nicht um Perfektion, sondern ums Zusammensitzen, ums Reden, ums Leben. Und genau das macht’s aus: Diese Selbstverständlichkeit. Wenn die verloren geht, dann fehlt uns in Wien mehr als nur ein Wirtshaus.“
Mag. Dr. Daniel Jelitzka, MRICS
JP Immobilien
Montag, 06.04.2026
SERVAS Wirtshaus-Umfrage
Gemütlichkeit im Wiener Wirtshaus – Ein kulturwissenschaftlicher Blick
Was macht ein Wiener Wirtshaus heute aus?
Dieser Frage ist SERVAS – Verein zur Förderung der Wiener Wirtshauskultur – mit einer Online-Umfrage nachgegangen. Über Social Media wurden Teilnehmer:innen gebeten, spontan fünf Begriffe zu nennen, die sie mit „(m)ein Wiener Wirtshaus“ verbinden. Die Teilnahme war anonym, insgesamt wurden über 800 Beiträge gesammelt und in einer WordCloud verdichtet.
Das Ergebnis ist eindeutig:
Die meistgenannten Begriffe sind Gemütlichkeit, Freundschaft, Essen, Bier, Tradition, Atmosphäre und Heimat. Besonders hervorzuheben ist, dass „Gemütlichkeit“ mit Abstand am häufigsten genannt wurde.
Doch was bedeutet Gemütlichkeit eigentlich?
Die Kulturwissenschaftlerin Prof. Brigitta Johanna Schmidt-Lauber (Universität Wien) beschreibt sie als ein vielschichtiges Phänomen, das weit über Einrichtung oder Stimmung hinausgeht. Gemütlichkeit entsteht im Zusammenspiel von Atmosphäre, sozialer Interaktion und individueller Wahrnehmung. Sie ist damit nicht nur ein Gefühl, sondern eine soziale Praxis, die durch gemeinsame Erfahrungen, Vertrautheit und wiederkehrende Rituale geprägt wird.
Die Ergebnisse unserer Umfrage bestätigen diese Perspektive:
Das Wiener Wirtshaus ist ein Ort, an dem genau diese Faktoren zusammenkommen. Es wird nicht nur als gastronomischer Betrieb wahrgenommen, sondern als Raum für Begegnung, Austausch und Gemeinschaft.
In diesem Sinne lässt sich das Wiener Wirtshaus auch als „Dritter Ort“ (nach Ray Oldenburg) verstehen – als ein Raum neben Zuhause und Arbeit, der soziale Teilhabe ermöglicht und Zusammenhalt stärkt. Oft wird es daher treffend als „Wohnzimmer der Stadt“ bezeichnet.
Gemeinsam mit der Fakultät Europäische Ethnologie der Universität Wien, unter der Leitung von Prof. Schmidt-Lauber, arbeitet SERVAS daran, die Wiener Wirtshauskultur zu dokumentieren, zu reflektieren und sichtbar zu machen. Diese Zusammenarbeit ist ein wichtiger Schritt im Hinblick auf die Einreichung als immaterielles Kulturerbe bei der UNESCO.
Fazit:
Die Umfrage zeigt klar: Begriffe wie Gemütlichkeit, Freundschaft und Gemeinschaft sind keine nostalgischen Zuschreibungen, sondern prägen die Wiener Alltagskultur bis heute. Das Wirtshaus bleibt ein zentraler sozialer Ort – lebendig, verbindend und hochaktuell.
Donnerstag, 02.04.2026
Der soziale Raum Wirtshaus
Wortspende
"Die österreichische Wirtshauskultur ist mehr als Gastronomie, sie ist ein sozialer Raum, in dem sich Alltag und Gesellschaft unmittelbar zeigen. Zwischen Tradition und Veränderung wird hier sichtbar, wie wir miteinander leben: in Gesprächen, Routinen und zufälligen Begegnungen.“
Erwin Wurm
Österreichischer Künstler
Mittwoch, 01.04.2026
Aufsperren statt Zusperren!
"Ist das Wirtshaus noch zu retten?"
Finale: Neufelden – Leichenschmaus mit Auferstehung
Kira Schinko auf besonderer Mission quer durch Österreich
Die ORF-Serie Aufsperren statt Zusperren geht im Finale dorthin, wo sich die Frage nach der Zukunft des Wirtshauses besonders eindringlich stellt: zu einem Moment des Abschieds. Und gleichzeitig – vielleicht – zu einem neuen Anfang.
Über mehrere Folgen hinweg hat sich die Sendung auf die Suche nach dem gemacht, was verloren zu gehen droht: das Wirtshaus als sozialer Mittelpunkt, als Ort der Begegnung, als gelebte Alltagskultur. Orte, die weit mehr sind als Gastronomiebetriebe – sie sind emotionale Anker im Leben vieler Menschen.
Im Zentrum steht erneut Kira Schinko als Wirtshausretterin. Mit Feingefühl, Neugier und einer klaren Mission bringt sie Menschen zusammen, die eines verbindet: die Sehnsucht nach Gemeinschaft.
„Aufsperren statt Zusperren“ bleibt bis zum Schluss eine Liebeserklärung an das Wirtshaus – und an all jene, die es nicht aufgeben wollen.
Neufelden – Leichenschmaus mit Auferstehung
Für das Finale führt die Reise nach Neufelden, in den Mühltalhof. Gemeinsam mit Spitzenkoch Philipp Rachinger widmet sich Kira Schinko einem der tief verwurzelten Rituale unserer Kultur: dem Leichenschmaus.
Ein Moment, der wie kaum ein anderer für Gemeinschaft steht. Für Zusammenkommen. Für Erinnern. Für das Teilen von Geschichten.
Doch was passiert, wenn genau jene Orte verschwinden, an denen diese Rituale stattfinden?
Mit einer symbolischen „Wirtshaus-Beerdigung“ wird diese Frage sichtbar gemacht. Ein bewusst gesetzter Abschied – nicht nur von einem konkreten Ort, sondern von einer ganzen Form des Zusammenlebens.
Und gleichzeitig entsteht daraus etwas Neues.
Der Leichenschmaus wird hier nicht nur als Ende gedacht, sondern als Übergang: in eine mögliche Zukunft des Wirtshauses. Eine Zukunft, die sich nicht ausschließlich an alten Strukturen festhält, sondern neue Wege sucht.
Ein solcher Weg zeigt sich in der Idee der „Wirtshausroas“ – ein Konzept, das Bewegung in den Ort bringt, Menschen verbindet und das Wirtshaus neu denkt: nicht als fixen Ort, sondern als gelebtes Prinzip.
Gerade in dieser letzten Folge wird spürbar, worum es im Kern geht:
Das Wirtshaus ist nicht nur ein Gebäude.
Es ist ein Gefühl.
Ein Raum für Begegnung, für Erinnerung, für Zusammenhalt.
Und vielleicht liegt genau darin seine größte Chance.
Die zentrale Frage bleibt:
Was passiert, wenn wir diese Orte verlieren – und was sind wir bereit zu tun, um sie neu zu denken?
Sendung verpasst?
https://on.orf.at/video/14317000/aufsperren-statt-zusperren-neufelden-leichenschmaus-mit-auferstehung
Ausstrahlung: 01. April 2026, 22:01 Uhr | ORF 1
Dauer: 29:22 Minuten
Verfügbarkeit bis 27.09.2026, 22:00 Uhr
Mittwoch, 25.03.2026
Aufsperren statt Zusperren!
"Ist das Wirtshaus noch zu retten?"
Folge 4: Eibiswald – Das Wirtshaus der Zukunft
Kira Schinko auf besonderer Mission quer durch Österreich
Die ORF-Serie Aufsperren statt Zusperren macht sich in Zeiten des dramatischen Wirtshaussterbens auf die Suche nach verlorenen Orten der Gemeinschaft – am Land wie in der Stadt. Die Sendung versucht, Leben in verwaiste Gaststuben zu bringen und fragt, was uns ein sozialer Mittelpunkt wert ist.
Im Zentrum steht Kira Schinko als Wirtshausretterin. Sie ist quer durch Österreich unterwegs und folgt einer klaren Mission: leerstehende Wirtshäuser für einen Tag wieder aufzusperren und herauszufinden, ob sie noch Zukunft haben. Sie trifft ehemalige Stammgäste, Wirtsleute und lokale Persönlichkeiten und bringt gemeinsam mit Spitzen-Gastronom:innen Menschen, Ideen und potenzielle Pächter:innen zusammen.
„Aufsperren statt Zusperren“ ist eine Liebeserklärung an Orte, die noch nicht aufgegeben haben.
Eibiswald – Das Wirtshaus der Zukunft
Diesmal führt die Reise nach Eibiswald. Dort belebt Kira ein verlassenes Gasthaus wieder – ein Wirtshaus, das einst Treffpunkt im Ort war und heute leer steht. Gemeinsam mit engagierten Gastronom:innen wird das Lokal für einen Tag wieder geöffnet und mit Leben gefüllt.
Unterstützt wird sie dabei von Harald Irka, mit dem ein Pop-up-Wirtshaus entsteht, das bewusst neue Wege geht. Neben klassischen Elementen der Wirtshauskultur treffen hier auch ungewöhnliche Ideen aufeinander – von Kinoabenden bis hin zu neuen Nutzungskonzepten.
Zusammen mit ehemaligen Stammgästen und Menschen aus der Umgebung wird sichtbar, wie groß die Sehnsucht nach solchen Orten der Begegnung noch immer ist – und wie viel Potenzial in ihnen steckt.
Die zentrale Frage bleibt:
Kann daraus wieder ein echter Treffpunkt werden?
Sendung verpasst?
https://on.orf.at/video/14316312/aufsperren-statt-zusperren-eibiswald-das-wirtshaus-der-zukunft
Ausstrahlung: 25. März 2026, 22:01 Uhr | ORF 1
Dauer: 29:54 Minuten
Verfügbarkeit bis 20.9.2026, 22:00 Uhr
Freitag, 20.03.2026
Zwischen Bierdunst und Erinnerung
Wortspende
"Abgestandener Biergestank, Weinschwaden, Zigarettenrauch und Zwiebelfahnen vom Gulasch! Das war das Wirtshaus in meinen Kindertagen, als mich mein Vater zum Wirtn gegenüber unserer Firma mitnahm. Es war nämlich üblich, vor allem am Freitag, als unsere Mitarbeiter das Geld ausbezahlt bekamen (Baana-Tag), das Salär gleich wieder auf den Schädl zu haun. So saß ich unter unseren noch vom Sauerkraut und Salzgurken riechenden Schleriztkos, Novotnys und Hrdlickas am großen Gemeinschaftstisch, wo Karten gedippelt und genug geschnapselt wurde und der Schmähtandler seinen Auftritt hatte. Bevor es zum Bahöö kam, wurde ich vorsorglich von meinem Vater vom Geschehen getrennt, um wieder in unserer heilen Welt der Familie anzukommen. Bis weit in die Nacht hinein vertranken und veraßen und verspielten die Männer ihren Wochenlohn. Wehe, wenn sie betrunken und ohne Geld nach Hause kamen.
Heute ist das Wirtshaus – und nicht Gasthaus - nach wie vor ein vom Wirten geprägter Rückzugsort, wo man Gleichgesinnte trifft, die einem guten Glas Wein oder einem mit Würde gezapften Bier nicht abgeneigt sind, vor einem gelungenen Beuscherl (Gerer, schau oba) den Hut ziehen, und die Nierndln hochleben lassen. Ein guter Schmäh vom Wirten ist dann das Häubchen auf dem Kaffee mit dem Müllirahmstrudel.
Lasst uns die nahezu verlorene Wirtshauskultur feiern, holen wir sie wieder zurück, lasst uns Wein trinken (ohne wissen zu müssen, wie oft der Winzer sein Hemd wechselt), lasst uns wieder essen (ohne instruiert zu werden, wie die Kuh hieß und auf welcher Alm sie welche Kräuter fraß). Lasst uns nur ein wenig zurückschauen, sehen wir nach vor, hin zum kulinarischen Olymp unserer einmaligen Heimatstadt!"
Erwin Gegenbauer
Essig- und Bierbrauer, Kaffeeröster, Safthersteller, Ölmüller
und bekannt als „Wiener Essigpapst“
Freitag, 20.03.2026
Gelebte Tradition mit Herz und Seele
Wortspende
"Das Wiener Wirtshaus ist weit mehr als ein Ort zum Essen – es ist ein Lebensgefühl. Es steht für authentische Wiener Küche, die ihre Wurzeln ehrt und gleichzeitig offen ist für moderne, kreative Interpretationen. Doch was ein Wirtshaus wirklich ausmacht, geht weit über die Speisekarte hinaus: Es ist die Haltung dahinter – geprägt von Qualität, ehrlicher Gastfreundschaft und einem Preis-Leistungs-Verhältnis, das Genuss für viele möglich macht.
Vor allem aber ist es die Atmosphäre, die den Zauber eines echten Wiener Wirtshauses ausmacht. Diese besondere Form der Gemütlichkeit lässt sich kaum beschreiben, aber sofort spüren. Man tritt ein, lässt den Alltag hinter sich, kommt zusammen, lacht, erzählt – und merkt oft gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht.
Ein wunderbares Sinnbild dafür ist das berühmte Wiener „Fluchtachterl“ oder der liebevolle Satz „Eine Runde geht noch“. Es sind diese kleinen, fast beiläufigen Momente, in denen sich zeigt, dass man angekommen ist – dass man sich so wohlfühlt, dass man den Abend noch ein wenig festhalten möchte. Nicht zuletzt reisen viele Gäste genau deshalb nach Wien: auf der Suche nach dieser vielzitierten Wiener Gemütlichkeit, die hier nicht inszeniert ist, sondern ganz selbstverständlich gelebt wird.
Umso mehr schmerzt es, wenn dieser Geist durch starre Konzepte eingeschränkt wird. Der Trend, Tische nur noch für exakt zwei Stunden zu vergeben, mag wirtschaftlich nachvollziehbar erscheinen – er widerspricht jedoch dem innersten Wesen des Wirtshauses. Denn echte Gastfreundschaft kennt keine Stoppuhr. Sie bedeutet, Raum zu geben: für Genuss, für Begegnungen, für das Verweilen.
Das Wiener Wirtshaus lebt von genau dieser Freiheit. Von Momenten, die sich nicht planen lassen – und gerade deshalb unvergesslich bleiben."
Barbara Ludwig
Hotel Beethoven
Mittwoch, 18.03.2026
Aufsperren statt Zusperren!
"Ist das Wirtshaus noch zu retten?"
Folge 3: Der Mittagstisch in Neufurth
Kira Schinko auf besonderer Mission quer durch Österreich
Die ORF-Serie Aufsperren statt Zusperren macht sich in Zeiten des dramatischen Wirtshaussterbens auf die Suche nach verlorenen Orten der Gemeinschaft – am Land wie in der Stadt. Die Sendung versucht, Leben in verwaiste Gaststuben zu bringen und fragt, was uns ein sozialer Mittelpunkt wert ist.
Im Zentrum steht Kira Schinko als Wirtshausretterin. Sie ist quer durch Österreich unterwegs und folgt einer klaren Mission: leerstehende Wirtshäuser für einen Tag wieder aufzusperren und herauszufinden, ob sie noch Zukunft haben. Sie trifft ehemalige Stammgäste, Wirtsleute und lokale Persönlichkeiten und bringt gemeinsam mit Spitzen-Gastronom:innen Menschen, Ideen und potenzielle Pächter:innen zusammen.
„Aufsperren statt Zusperren“ ist eine Liebeserklärung an Orte, die noch nicht aufgegeben haben.
Der Mittagstisch in Neufurth
Diesmal führt die Reise nach Neufurth. Dort entdeckt Kira ein stillgelegtes Wirtshaus, das über Jahrzehnte von „Mizi“ Ganglmair geprägt wurde. Ihr Mittagstisch war einst ein verlässlicher Treffpunkt für viele Menschen im Ort – ein Stück gelebter Alltag, das heute fehlt.
Gemeinsam mit Theresia Palmetzhofer und ihrer Mutter wird das Lokal für einen Tag wieder zum Leben erweckt. Ihr Ansatz: leistbare Haubenküche im Alltag – bodenständig, zugänglich und dennoch auf höchstem Niveau.
Zusammen mit ehemaligen Gästen und Menschen aus der Umgebung wird sichtbar, welche Bedeutung der einfache Mittagstisch einst hatte – und vielleicht auch wieder haben kann.
Die zentrale Frage dieser Folge:
Hat das klassische Wirtshaus als täglicher Versorger noch eine Zukunft?
Sendung verpasst?
https://on.orf.at/video/14316312/aufsperren-statt-zusperren-eibiswald-das-wirtshaus-der-zukunft
Ausstrahlung: 18. März 2026, 22:01 Uhr | ORF 1
Dauer: 29:08 Minuten
Verfügbarkeit bis 13.9.2026, 22:00 Uhr
Dienstag, 10.03.2026
Wirtshaustheater :
Wirtshaus – liky | Echokammer – supi | Facebook – kotzi
Mit „Die richtige Seite“ bringt Bernhard Dechant eine Inszenierung auf die Bühne des alteingesessenen Floridsdorfer Gasthauses Birner, die den Geist des radikalen Sprachtheaters von Werner Schwab in das digitale Zeitalter überführt. Inspiriert von Schwabs Stück "Übergewicht, unwichtig: Unform", trifft hier erstmals dessen exzessive, fäkal-poetische Sprachgewalt auf die fragmentierte Minimalgrammatik der sozialen Medien.
Ausgangspunkt ist eine reale Facebook-Gruppe mit über 21.000 Mitgliedern aus dem 21. und 22. Bezirk – ein virtueller Stammtisch voller Empörung, Angst, Gerüchte und Ressentiments. Dechant übersetzt diese digitale Echokammer zurück in einen analogen Raum: das Wirtshaus.
Der kleine Gastraum im Gasthaus Birner an der Alten Donau wird zur Bühne eines digitalen Stammtisches. Ein Geweih an der Wand wirkt fast wie ein absurdes Bühnenbild aus einem Stück von Thomas Bernhard. Hier prallen Chat-Logik, Kommentarspalten und politische Projektionen aufeinander.
Die Figuren sind keine klassischen Charaktere, sondern Profile: Schweindi, Hasi, Herta, Jürgen oder Fotzi. Ihre Sprache ist reduziert auf digitale Lautmalerei und Chat-Fragmente:
„Supi! Kotzi! TLTR!“
Gerade diese sprachliche Verknappung erzeugt eine überraschende Nähe zu Schwabs radikaler Wortästhetik. Aus Posts, Memes und Kommentarfragmenten entsteht eine Art Fäkalpoesie der Gegenwart, in der sich politischer Hass, grotesker Humor und digitale Kommunikationsrituale miteinander verschränken.
Besonders markant ist die Abkürzung TLTR – Too long to read. Sie steht exemplarisch für eine Zeit, in der komplexe Gedanken auf minimale Reaktionen reduziert werden. In Dechants Inszenierung wird sie zur bitterironischen Parole einer digitalen Öffentlichkeit, die sich selbst immer schneller überholt.
Formal arbeitet die Aufführung mit mehreren Ebenen:
Schauspieler auf der Bühne, Chat-Identitäten im digitalen Raum, chorische Stimmen aus der Echokammer – und dazwischen der Regisseur, der die Mechanik dieser Kommunikationsblasen sichtbar macht.
So entsteht eine dunkelbraune Groteske, die gleichzeitig politisch brisant und urkomisch ist.
Das Ergebnis ist ein Theaterabend, der zeigt, wie überraschend kraftvoll ein Wirtshaus als Kulturraum wirken kann. In der Intimität des Raumes entfaltet die Sprache eine fast körperliche Wirkung – roh, direkt und verstörend.
Fazit:
Bernhard Dechant gelingt eine bemerkenswerte Synthese aus dem radikalen Sprachtheater Werner Schwabs und der Kommunikationsrealität sozialer Medien. „Die richtige Seite“ ist ein politisch aufgeladener, grotesk-komischer Abend – und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Wiener Wirtshauskultur auch im 21. Jahrhundert ein Ort künstlerischer Provokation sein kann.
Wiederaufnahme im Herbst!
Freitag, 06.03.2026
Ö1 Sendung Punkt Eins
"Wer rettet das Wirtshaus?"
Die Ö1-Sendung Punkt eins: „Wer rettet das Wirtshaus?“ auf
Österreichischer Rundfunk (Ö1) beschäftigt sich mit dem Wirtshaussterben in Österreich.
Es geht darum, warum immer mehr traditionelle Gasthäuser schließen (Personalmangel, hohe Kosten, fehlende Nachfolger) und welche neuen Modelle es gibt, um Wirtshäuser zu erhalten – etwa Bürger- oder Genossenschaftswirtshäuser, bei denen Gemeinden oder Dorfbewohner gemeinsam ein Lokal betreiben.
Thema: Das Wirtshaus als „dritter Ort“ – also neben Zuhause und Arbeit ein zentraler sozialer Treffpunkt. Die Sendung behandelt das Wirtshaussterben in Österreich und neue Modelle, um den sozialen Treffpunkt im Dorf zu erhalten.
Kernfrage: Wie kann das Wirtshaus als dritter Ort überleben?
Ausstrahlung: 06. März 2026, 13:00 Uhr | Ö1
Dauer: 24:27 Minuten
Freitag, 27.02.2026
Ö1 Kulinarium
„Einmal Respekt bitte! Für das Gastgewerbe“
Der Radiobeitrag auf Ö1 beleuchtet die Situation des österreichischen Gastgewerbes und stellt die Frage nach der gesellschaftlichen Wertschätzung für Menschen, die in Gastronomie und Hotellerie arbeiten.
Im Zentrum stehen die Herausforderungen der Branche: Personalmangel, wirtschaftlicher Druck und ein oft unterschätztes Berufsbild. Gleichzeitig wird deutlich, dass Gastfreundschaft, Service und kulinarische Kultur zentrale Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens sind – gerade im Wirtshaus als Ort der Begegnung.
Thema: Die Sendung diskutiert, warum die Arbeit im Gastgewerbe häufig zu wenig Anerkennung erhält und welche Veränderungen nötig wären, damit gastronomische Berufe wieder attraktiver und respektierter werden.
Gestaltung: Johanna Steiner
Redaktion: Kathrin Wimmer
Kernfrage: Wie gelingt es, dem Gastgewerbe – und damit auch der Wirtshauskultur – wieder mehr gesellschaftlichen Respekt zu verschaffen?
Sendung verpasst?
https://sound.orf.at/podcast/oe1/oe1-kulinarium/fraeulein---vom-respekt-in-der-gastronomie
Ausstrahlung: 27. Februar 2026, 15:30 Uhr | Ö1
Dauer: 24:27 Minuten
Verfügbarkeit bis 27.7.2026
Mittwoch, 25.02.2026
Aufsperren statt Zusperren!
"Ist das Wirtshaus noch zu retten?"
Folge 2: Leopoldi-Stüberl in Linz
Kira Schinko auf besonderer Mission quer durch Österreich
Die ORF-Serie "Aufsperren statt Zusperren" macht sich in Zeiten des dramatischen Wirtshaussterbens auf die Suche nach verlorenen Orten der Gemeinschaft – am Land wie in der Stadt. Die Sendung versucht, Leben in verwaiste Gaststuben zu bringen und fragt, was uns ein sozialer Mittelpunkt wert ist.
Im Zentrum steht Kira Schinko als Wirtshausretterin. Sie ist quer durch Österreich unterwegs und folgt einer klaren Mission: leerstehende Wirtshäuser für einen Tag wieder aufzusperren und herauszufinden, ob sie noch Zukunft haben. Sie trifft ehemalige Stammgäste, Wirtsleute und lokale Persönlichkeiten und bringt gemeinsam mit Spitzen-Gastronom:innen Menschen, Ideen und potenzielle Pächter:innen zusammen.
„Aufsperren statt Zusperren“ ist eine Liebeserklärung an Orte, die noch nicht aufgegeben haben.
Leopoldi-Stüberl in Linz
Diesmal führt die Reise nach Linz. Dort belebt Kira das ehemalige Leopoldi-Stüberl wieder – ein Wirtshaus, das einst Treffpunkt im Grätzel war und heute leer steht. Gemeinsam mit engagierten Gastronom:innen wird das Lokal für einen Tag wieder geöffnet und mit Leben gefüllt.
Unterstützt wird sie dabei von Marie Rahofer-Reisetbauer vom Gasthof Rahofer sowie Haubenkoch Felix Haiderer, der einen Wirtshausklassiker zubereitet. Zusammen mit ehemaligen Stammgästen und Menschen aus der Umgebung wird sichtbar, wie groß die Sehnsucht nach solchen Orten der Begegnung noch immer ist.
Die Expertinnen und Experten von Folge 2:
Marie Rahofer-Reisetbauer vom Gasthof Rahofer
https://www.rahofer.at
Sendung verpasst?
https://on.orf.at/video/14312501/aufsperren-statt-zusperren-leopoldi-stueberl-in-linz
Ausstrahlung: 25. Februar 2026, 22:03 Uhr | ORF 1
Dauer: 29:54 Minuten
Verfügbarkeit bis 23.8.2026, 22:00 Uhr
Mittwoch, 18.02.2026
Aufsperren statt Zusperren!
"Ist das Wirtshaus noch zu retten?"
Folge 1: Droß – Das Vereinszentrum
Kira Schinko auf besonderer Mission quer durch Österreich
„Aufsperren statt Zusperren“ macht sich in Zeiten des dramatischen Wirtshaussterbens auf die Suche nach verlorenen Orten der Gemeinschaft - am Land wie in der Stadt. Die Serie versucht, Leben in verwaiste Gaststuben zu bringen und fragt, was uns ein sozialer Mittelpunkt wert ist. Im Zentrum steht Kira Schinko als Wirtshausretterin. Sie ist quer durch Österreich unterwegs und folgt einer klaren Mission: leerstehende Wirtshäuser für einen Tag wieder aufzusperren und herauszufinden, ob sie noch Zukunft haben. Sie trifft ehemalige Stammgäste, Wirtsleute, lokale Stars und bringt gemeinsam mit Spitzen-Gastronom:innen Menschen, Ideen und potenzielle Pächter:innen zusammen.
„Aufsperren statt Zusperren“ ist eine Liebeserklärung an Orte, die noch nicht aufgegeben haben.
Droß – Das Vereinszentrum
In der Auftaktfolge ist Kira zu Gast in Droß im Waldviertel. Die Gemeinde ist weithin bekannt für ihre vielen Vereine, doch sie haben kein Wirtshaus mehr, in dem man sich treffen kann, denn auch der letzte Wirt hat zugesperrt. Mit Hilfe von Haubenkoch Josef Floh (Der Floh) und Winzerin Silke Mayr (Vorspannhof Mayr) gibt Kira den Vereinen für einen Tag ihren geliebten Frühschoppen wieder.
Die Expertinnen und Experten von Folge 1:
Haubenkoch Josef Floh
Langenlebarn im Tullnerfeld
derfloh.at
Winzerin Silke Mayr
Mayr & Buchegger
vorspannhof.at
Sendung verpasst:
https://on.orf.at/video/14311666/aufsperren-statt-zusperren-dross-das-vereinszentrum
Ausstrahlun: 18. Februar 2026, 22:01 Uhr | ORF 1
Dauer: 31:20 Minuten
Verfügbarkeit bis 16.8.2026, 22:00 Uhr
Montag, 10.02.2026
Wenn der letzte Wirt zusperrt
"Der Anfang war ein Frühschoppen." Die Wirtshausretter
Die Ö1-Sendung „Wenn der letzte Wirt zusperrt“ auf Österreichischer Rundfunk (Ö1) thematisiert das fortschreitende Wirtshaussterben und seine Folgen für Gemeinden und Stadtviertel.
Im Mittelpunkt steht die Frage, was passiert, wenn das letzte Gasthaus eines Ortes schließt – und damit ein wichtiger sozialer Treffpunkt verschwindet. Das Wirtshaus war lange mehr als Gastronomie: ein Ort für Begegnung, Austausch und Gemeinschaft.
Thema: Das Wirtshaus als sozialer Treffpunkt und kultureller Bestandteil des Alltags – und was verloren geht, wenn dieser „dritte Ort“ verschwindet.
Gestalter: Joshua Mingers
Redaktion: Johanna Steiner
Kernfrage: Was bedeutet es für eine Gemeinschaft, wenn das letzte Wirtshaus zusperrt?
Ausstrahlung: 10. Februar 2026, 15:30 Uhr | Ö1
Samstag, 24.01.2026
Wiener Küche: Anspruch und Wirklichkeit
Wortspende
Um 1840/50 schrieb der Archivar und Schriftsteller Karl Johann Braun Ritter von Braunthal (1802-1866) über die Wiener Wirtshäuser: „Die Gasthäuser in Wien, deren Zahl legendär ist, sind nicht so sehr ausgezeichnet durch Localität [1] als durch Promptheit der Bedienung und durch die treffliche Küche. Man ißt nirgends so gut wie in Wien …“. Etliche dieser angesprochenen Häuser verlegten sich auf das Zubereiten besonderer Wiener Spezialitäten wie Gulasch, gekochtes Rindfleisch, Blunzn, Leberwurst, pikante Beuschlsuppe, Kalbsbeuschl, Bruckfleisch, Backhendl, Wiener Schnitzel, diverse Rostbraten, Stoffat (Stoffadl, Stuffato), Reindl-Beefsteak, Frankfurter, Kaiserschmarrren, Obstknödel etc. und erlangten besonderen Ruhm bei den Wienern. Bis zum Ende der Habsburgermonarchie bzw. bis 1914 blieb die Wiener Wirtshausküche ein besonderes kulinarisches Highlight in Wien.
Durch die politischen Katastrophen im 20. Jahrhundert nahm die Qualität der Speisen im Gasthaus dramatisch ab. Das Speisenangebot wurde drastisch verringert, man griff zunehmend auf sogenannte „Convenienceprodukte“ zurück (vorpanierte Schnitzel; Gulasch, Gulaschsuppe, Erdäpfelsalat aus dem Kübel); die oft angepriesene „echte“ Rindsuppe ist – auch in „besseren“ Lokalen – durchwegs aus Würfeln oder Sackerln gefertigt; Suppeneinlagen beschränken sich auf fertig gekaufte Grießnockerln, Leberknödel und trockene Frittaten; Knödel stammen aus dem Tiefkühlangebot; manche Gastronomen – eine Insiderinfo – kochen überhaupt nicht mehr, sondern kaufen alles fertig und wärmen es in der Mikrowelle etc. etc.). Als Gast, der sich mit Küche und Kochen intensiv beschäftigt, fühle ich mich von der Wiener Gastronomie „gepflanzt“.
Mein einziges Lieblingslokal wurde vor ca. drei Jahren von neuen Besitzern neu übernommen und ist seither - trotz der Beteuerungen der neuen Inhaber, so zu kochen wie früher – für mich nicht mehr akzeptabel. Ein anderes Lokal, das ich früher gerne besucht habe, hat vor kurzem für immer geschlossen. Es gibt natürlich einige passable Wirthäuser in Wien, z.B. Renner (Kritikpunkte: riesige Portionen, gezuckerter Erdäpfelsalat – der übrigens in der alten Wiener Küche nie gezuckert war), Weinhaus Hochmayer (sehr kleine, wenn auch gute Karte), Zum alten Nussbaum, Robert’s Alt-Sievering, Eckel (ist aber für ein Wirtshaus schon zu hochpreisig) und andere mehr. Aber das Zeug zum Stammgasthaus für mich hat keines der angeführten Lokale.
Als leidenschaftliche (Wiener) Köchin würde ich mir von einem Verein zur Erhaltung der Wiener Gasthauskultur Folgendes wünschen: gute, ehrliche Küche, hervorragende Lebensmittel, eine Rückbesinnung auf den unglaublichen Reichtum der Wiener Küche (wo gibt es heute noch Kalbs- oder Hühnereinmachsuppe, Hirn mit Ei, geröstete Leber, Beuschl, gefülltes Brathendl, ungarischen Zander, die zahlreichen Wiener Rostbraten? Außer einem Zwiebelrostbraten wird in dieser Hinsicht wenig angeboten, und der ist meist gedünstet statt kurz abgebraten. Wo gibt es einen guten Wiener Rindsbraten, gefüllte Kalbsbrust, Kalbsvögerl, gefüllte Pockerl zu Weihnachten, Weihnachtskarpfen mit Mayonnaisesalat, Semmelknödel, Serviettenknödel, Erdäpfelknödel – alle nicht vorgefertigt, frisch gemachten Kaiserschmarren mit Zwetschkenröster, Obstknödel etc., etc.??? Die Liste ließe sich anhand historischer Wiener Kochbücher endlos fortsetzen). Als ziemlich frustrierte Besucherin Wiener Wirtshäuser koche ich die Wiener Küche daheim selbst.
[1] Damit ist die Architektur und Ausstattung des Lokals gemeint.
Ingrid Haslinger
Historikerin, Autorin
Montag, 06.10.2026
Ein "Mikrokosmos des Alltäglichen" als Basis für Zukünftiges!
Gestern traf ich den ehemaligen Direktor des Wien Museums, Wolfgang Kos, Mitherausgeber des wegweisenden Katalogs zur Ausstellung "IM WIRTSHAUS – Eine Geschichte der Wiener Geselligkeit", zum Arbeitsessen im traditionsreichen Gasthaus Grünauer im 7. Bezirk.
Wolfgang Kos beschreibt das Wirtshaus als Fixpunkt der Geselligkeit und einen Mikrokosmos des Alltäglichen – den perfekten Ort für unverstellte, tiefgehendeGespräche. Der Austausch über unser Projekt SERVAS war extrem wertvoll!
Es war ein Fest der Wiener Wirtshauskultur; nicht nur das Essen hat uns begeistert:
Gebackene Blunzn Radln mit gepickelten Zucchini
Geselchte Kalbszunge mit Sardellencreme und Kapern
Eine fantastische Kalbsroulade mit Eierschwammerlfülle und Bandnudeln
Ich freue mich auf die nächsten Schritte unserer Zusammenarbeit im Rahmen von SERVAS und auf das nächste Treffen in einem der unzähligen Wiener Wirtshäuser, die wie kaum eine andere Institution den städtischen Normalbetrieb erhalten.
Auf eine erfolgreiche gemeinsame Gestaltung der Zukunft!
